Die befestigten Gutshöfe in Ostuni, masserie genannt, fügen sich nicht nur harmonisch in das Landschaftsbild ein, sie ergänzen die landschaftlichen Schönheiten und sind ein Symbol für die Philosophie der Menschen, in Einklang mit der Natur zu leben. Sie liegen auf einem weiten Gebiet verstreut, das von der marina , (die unmittelbar hinter den Badeorten der Küste beginnt) bis zu den sanften Hügeln reicht. An antiken Villen, masserien , antiken Landsitzen und Festungen gibt es heute etwa noch 300. Tatsächlich waren viele von ihnen Apanagen von Rittern, und in den späteren Jahren unangefochtene Herrschaft von Marchesen, Baronen und reichen Großgrundbesitzern, die aus den Masserie ihre Hauptquartiere machten.

Heute stehen sie jedoch nicht nur für "einfache" Baudenkmäler der Vergangenheit, sie stellen eine wertvolle Basis dar, auf die der Tourismus in Zukunft baut. Zahlreiche dieser masserie  sind in komfortable "Agriturismi" umgebaut worden, in denen man die antiken Traditionen mit dem Komfort des heutigen Lebens vereint. ( Bild seitlich : Rialbo di sopra).

Carestia

Die Masseria Carestia wurde im Zeitraum zwischen 1752 und 1777 nur wenige Schritte vom Wallfahrtsort des Ortsheiligen Sant'Oronzo und von San Biagio am Abhang einer der Hügel errichtet.
Die Masseria wird von einer langgezogenen Ringmauer umschlossen. Einer der beiden Eingänge ist durch 15 symmetrische Bögen charakterisiert, die einen von Kletterpflanzen geschmückten Weg bilden.

Im großzügig konzipierten Hof befinden sich einmal das Herrenhaus, eines der elegantesten aus jener Zeit, - es ist auf 2 Etagen konzipiert -, das Haus des Gutsverwalters, die Kirche, die Ställe und die Räumlichkeiten, wo eine außergewöhnliche Sammlung von antiken Kutschen aufbewahrt wird.

Auf dem Architrav über dem Eingang der Kirche steht eine Inschrift mit dem Zitat: "Qui non si gode di asilo", was soviel bedeutet wie "Hier gibt es kein Obdach", eine Phrase, die der Prälat bei Beendigung der Errichtung der Masseria einst so anordnete, wie auch die Angabe des Jahres 1752.

In der Masseria werden typisch apulische Käseprodukte und andere Spezialitäten aus Ostuni hergestellt.

Lo Spagnulo

Die Masseria Castello fortilizio Lo Spagnulo ist etwa 5 km von Ostuni entfernt gelegen. Man erreicht sie entweder über die Staatsstraße 16 oder über die Verbindungsstraße Ostuni - Rosa Marina. Der Name "Lo Spagnulo" geht zurück auf ihren ersten Besitzer namens Don Saverio Lopez y Royo, Sohn von Bartolomeo di Pamplona, der sie im Jahre 1680 errichten ließ.

Man würde vermuten, daß die Ringmauer, die architektonisch sehr strenge Linien aufweist ihren Ursprung im Mittelalter hat. Sie geht jedoch nur etwa auf das 18.Jh. zurück. Zwei Eingänge führen in den weitläufigen Innenhof. Im Mittelpunkt steht hier eine wunderschöne barocke Steintreppe, die auf zwei Seiten begehbar ist und hinauf zum Wohnsitz der Eigentümerfamilie führt. Auf der Balustrade finden Sie die Inschrift: "Parva sed apta".

Die Masseria hat außerdem einen viereckigen Turm, eine kleine Kirche, Wohnungen, Ställe und eine antike, völlig intakte Ölmühle.

Äußerst sehenswert ist u.a. die "sala di tertullis", ein Aufenthaltsraum im Stil des Barock, in dessen Mitte sich ein großes Becken befindet mit Steinbecken ringsum, die einem den Eindruck eines griechischen Tempel vermitteln.

Monticelli

Monticelli erreicht man von der Staatsstraße 16 aus, Ausfahrt km 874. Das Landhaus hat einen antiken Kern aus dem XV. Jh. . Erweiterungen und Erneuerungen wurden dann später im 17. Jh. vorgenommen. Das Herrenhaus beherbergt, abgesehen von jeder Menge Hausrat und unzähligen Erinnerungen an die Vergangenheit, eine interessante Bibliothek, die 3.150 Bände umfaßt. Eine antike, in den Fels gehauene Ölmühle ist ebenso vorhanden, mittels derer die Arbeitsgänge und der Herstellungsprozeß von Olivenöl rekonstruiert werden konnten. Außerdem gibt es hier eine bemerkenswerte Sammlung von alten Gerätschaften, die in der Landwirtschaft, im Kunsthandwerk und im Haushalt Verwendung fanden.

Refrigerio

Die Masseria Refrigerio befindet sich in der Marina von Ostuni, nahe dem Meer auf der Höhe von Costa Merlata. Man erreicht sie über die Schnellstraße Bari-Brindisi.

Im Jahre 1500 bauten die Minderbrüder entlang der antiken Via Traiana eine kleine Siedlung, die sie "Refrigerio", zu deutsch Erfrischung, nannten, da sie als gastliche Raststätte für Wanderer diente 

Ende des 18. Jh. wurde "Refrigerio" zu einem wichtigen Bauernhof, es florierte die landwirtschaftliche Tätigkeit, und schließlich wurde das Haupthaus der heutigen masseria gebaut. Eindeutig sind auch hier die Spuren der Vergangenheit zu sehen, als man das starke Bedürfnis nach Verteidigung hatte, zumal die Angriffe von Seiten der Räuber und Piraten keine Seltenheit waren.

Sie betreten die Masseria über ein großes Portal am Eingang. Dieses ist mit der Ringmauer verbunden, die den gesamten Bau der Masseria umfaßt.

Monticelli a Mare ( Sansone )

Etwa Mitte des 18. Jh. ist diese grandiose Masseria erbaut worden. Sie weist außerordentlich hohe und wuchtige Mauern auf, was einst von Bedeutung war, um sich selbst vor Piratenangriffen - das Meer war ja nicht weit entfernt - zu schützen. Sie löst beim Besucher heftige Emotionen aus.

Man begeht die Masseria über einen eindrucksvollen bogenförmigen Eingang aus apulischem Stein, über dem das noble Wappen der Familie Sansone thront. Nach dem mächtigen Eingangstor gelangt man in den Innenhof. Dort befinden sich abgesehen von der Masseria aus der Barockzeit mit Einflüssen des 18. Jh. zahlreiche Wohneinheiten, die zum Teil noch gut erhalten sind 

Zu erwähnen sind ebenso die Kirche, in der einige Familienangehörige beerdigt wurden sowie der Platz vor der Ringmauer, an der man eine Tränke für das Vieh sieht.

Rialbo di sopra

Dieser antike befestigte Gutshof liegt nur 5 km von der "Weißen Stadt" entfernt (erreichbar über die Schnellstraße Ostuni - Fasano). Im Raum Ostuni ist diese Masseria die älteste (1579). Der ursprüngliche Kern aus dem XVI. Jh. wurde zu verschiedenen Zeiten durch Anbauten vergrößert. Von besonderem Interesse auch hier die Einrichtungen, die der Verteidigung dienten: die Zugbrücke (inzwischen modifiziert und aus Stein), Gußerker, Falltüren und massive Ringmauern. Der Gutshof ist gut erhalten, sowohl was die Wohnräume als auch die Ställe und Speicher betrifft.

Die Masseria, die sehr viel Platz für die landwirtschaftliche Bewirtschaftung bot, hat sehr viel zum Bestehen des Ortes beigetragen.

Satia

Etwa 18 km von Ostuni entfernt, auf der Landstraße in Richtung Martina Franca, stoßt man auf zwei Trulli- Bauernhöfe "Satia Grande" und "Satia Piccola". Entscheidendes Element sind hier die Trulli , die als Räume für die verschiedenen Funktionen eines bäuerlichen Betriebs dienen: und zwar als Ställe, Speicherkammern und Wohnsitze. 

Der erste Kern, "Satia Grande", (Große Satia), setzt sich aus mehr als 20 Trulli zusammen, wovon einige schräge abfallende Dachflächen haben.

Nicht weit davon entfernt steht der "Trullo Sovrano" (Souveräne Trulli), ein Gebilde aus drei großen Trulli, zwei von ihnen sind zweistöckig. Der unbekannte Erbauer dieses Trullos beabsichtigte zweifelsohne mit der aufwertenden Bezeichnung "Sovrano", dem Trullo, der Ausdruck für ein bescheidenes bäuerliches Leben ist, Ehre und Würde zu verleihen.

Nur einige wenige hundert Meter davon entfernt befindet sich "Satia Piccola" (Kleine Satia), eine Reihe von kleinen Trulli mit dem dominierenden "Trullo Duomo" (Domtrullo).